Replik zur Antwort des Stadtrats betreffend Pumpfoiling am Zürichsee

Stellungnahme von Pump Tsüri zur Schriftlichen Anfrage GR Nr. 2026/250 (Eggenschwiler, Denoth, Blättler, SP) und zum Beschluss des Stadtrats Nr. 2806/2026 vom 26. August 2026.

📄 Replik als PDF (8 Seiten, mit Originalantwort des Stadtrats im Anhang)

1. Was wir begrüssen

Der Stadtrat anerkennt in seiner Antwort ausdrücklich, dass aus Sportsicht ein Bedarf
an geeigneten und sicheren Trainings- und Einstiegsmöglichkeiten besteht (Frage 1), dass
öffentlich zugängliche Infrastruktur zu einer sicheren, geordneten und konfliktarmen
Ausübung beiträgt (Frage 2) und dass das Sportamt zusammen mit Grün Stadt Zürich, dem
AWEL und der Wasserschutzpolizei konkrete Ansätze prüft: Nutzung von Stegen, Mitnutzung
von Piers, Startrampen, Flösse ausserhalb der Badesaison (Frage 4).

Das ist eine gute Grundlage. Rund 250 Personen trainieren heute regelmässig in Kursen,
die Community wird auf rund 500 Aktive geschätzt. Seit dem Widerruf der Bewilligung im
Mai 2025 gibt es in der Stadt Zürich keinen einzigen offiziellen Übungsplatz.

2. Wo wir widersprechen

Die Antwort stützt den Widerruf auf das Bundesrecht: Pumpfoils seien Schiffe, gelb
markierte Flächen seien «ganzjährig gesperrt», Lösungen müssten deshalb ausserhalb
gefunden werden. Diese Darstellung ist rechtlich unvollständig. Das Bundesrecht
definiert zwar den Begriff Schiff und die Bedeutung der gelben Bojen. Wo, wann
und für wen eine Wasserfläche gesperrt ist, entscheidet nicht der Bund, sondern die
zuständige kantonale Behörde.
Der Kanton hat damit den Schlüssel selbst in der
Hand.

3. Rechtsgrundlagen (verifiziert am Verordnungstext)

«Schiff: ein Wasserfahrzeug oder ein anderer zur Fortbewegung auf oder unter der
Wasseroberfläche bestimmter Schwimmkörper, oder ein schwimmendes Gerät»
Art. 2 Abs. 1 Bst. a Ziff. 1 BSV (SR 747.201.1)

Die Definition ist bewusst weit. Sie erfasst auch Segelbretter, Drachensegelbretter
(Kitesurf), Paddelboote und sogar Luftmatratzen («Strandboote», Ziff. 20). Ein Pumpfoil
ist darunter also ebenso ein «Schiff» wie ein Stand-up-Paddle. Daraus folgt kein
Wettkampf- oder Gefährdungscharakter, sondern nur, dass die Verkehrsregeln der BSV
gelten.

«Die zuständige Behörde bestimmt, wo welche Schifffahrtszeichen angebracht oder
entfernt werden.» Art. 36 Abs. 2 BSV

«Für die Schifffahrt gesperrte Wasserflächen sind mit gelben, kugelförmigen
Schwimmkörpern gekennzeichnet. […] Für bestimmte Schiffsarten gesperrte Wasserflächen
sind mit gelben, kugelförmigen Schwimmkörpern und mit den betreffenden Tafeln (A.2, A.3
oder A.4) gekennzeichnet.» Art. 37 Abs. 1 und 2 BSV

Die Sperrzone entsteht durch die kantonale Signalisation, nicht durch das Gesetz.
Der Bund kennt ausdrücklich teilgesperrte Flächen: Sperrung nur für
Motorschiffe (A.2), nur für Wasserski (A.3), nur für Segelschiffe (A.4). Eine Sperrung
«für alle Schiffe ausser muskelbetriebenen Wassersportgeräten im Kursbetrieb ausserhalb
der Badeöffnungszeiten» ist in diesem System ohne Bundesrechtsänderung abbildbar.
Auch die zeitliche Dimension ist kantonal: Wo die Bojen im Winter entfernt werden,
besteht keine Sperrzone.

«Bei der Bewilligung von nautischen Veranstaltungen kann die zuständige Behörde
Ausnahmen von einzelnen Bestimmungen dieser Verordnung zulassen, wenn die Sicherheit der
Schifffahrt nicht beeinträchtigt wird.» Art. 72 Abs. 3 BSV

Das ist die ausdrückliche bundesrechtliche Ausnahmekompetenz des Kantons. Ein
betreuter Kurs in Kleingruppen (max. sechs Personen pro Lehrperson, fixes Zeitfenster,
Haftpflicht) ist eine bewilligungsfähige Veranstaltung. Die Aussage, Ausnahmen seien
«grundsätzlich nicht vorgesehen», trifft für Art. 72 Abs. 3 nicht zu.

«In Uferzonen ist das Wakesurfen sowie das Fahren mit Wasserski oder ähnlichen
Geräten ausserhalb behördlich bewilligter Startgassen und gekennzeichneter, ausschliesslich
diesem Zweck dienender Wasserflächen verboten.» Art. 54 Abs. 2 BSV

Für Wasserski, Wakesurf und Kitesurf hat das Bundesrecht das Instrument der
behördlich bewilligten Startgasse geschaffen (Tafeln E.5 und E.5ter, Art. 37
Abs. 3 und 6 BSV). Der Kanton kann solche Flächen in der Uferzone ausweisen. Für ein
Sportgerät ohne Motor, ohne Segel und ohne Schleppseil, das im Übungsbetrieb wenige
Meter vom Steg entfernt bleibt, ist dieselbe Logik anwendbar.

Die Gewässerhoheit liegt beim Kanton (Art. 3 BSG, SR 747.201); der Stadtrat bestätigt
dies selbst in seiner Antwort zu Frage 3. Der Kanton ist damit nicht Vollzugsgehilfe des
Bundes, sondern Träger eines eigenen Ermessens.

4. Fünf Hebel für Stadt und Kanton

Kanton (AWEL) · sofort umsetzbar

Hebel 1: Sperrzonen befristen und differenzieren

Badezonen werden zum Schutz von Schwimmenden gesperrt. Ist die Badi geschlossen,
fällt der Schutzzweck weg. Das AWEL kann die Sperrung nach Art. 36 Abs. 2 und Art. 37
Abs. 2 BSV auf die Badeöffnungszeiten beschränken oder für muskelbetriebene
Wassersportgeräte im bewilligten Kursbetrieb öffnen. Keine Änderung von Bundesrecht
nötig, nur der kantonalen Signalisation.

Kanton (AWEL) · sofort umsetzbar

Hebel 2: Kurse als nautische Veranstaltung bewilligen

Art. 72 Abs. 3 BSV erlaubt dem Kanton ausdrücklich Ausnahmen von einzelnen
Bestimmungen der Verordnung. Eine Saison-Bewilligung für den Kursbetrieb auf definierten
Flössen ausserhalb der Badeöffnungszeiten, mit Auflagen (Gruppengrösse, Lehrperson,
Haftpflicht, Sichtweite zu Schwimmenden), entspricht dem Modell 2021 bis 2025.

Stadt (Sportamt, Grün Stadt Zürich)

Hebel 3: Konzession anpassen, Startrampe ausserhalb der Zone

Die Stadt ist Konzessionärin ihrer Badis, Stege und Flösse. Sie kann beim AWEL eine
Konzessionsänderung beantragen: Übungssteg oder Startrampe unmittelbar ausserhalb der
gelben Bojen, oder ein Floss, das ausserhalb der Badesaison ausserhalb der Zone
verankert wird. Das ist der Weg, den der Stadtrat in Frage 4 selbst skizziert; wir
bitten um einen Zeitplan mit Ziel Saison 2027.

Kanton (Regierungsrat, Kantonsrat)

Hebel 4: Übungszonen in der kantonalen Schifffahrtsverordnung

Analog zu den Kitesurf-Startgassen kann der Kanton Zürich in seiner
Schifffahrtsverordnung Übungszonen für muskelbetriebene Wassersportgeräte am Zürichsee
ausweisen. Damit erhält der Sport eine dauerhafte, stadtunabhängige Grundlage.

Bund (BAV, Bundesrat) · mittelfristig

Hebel 5: Eigene Kategorie in der BSV

Die BSV kennt bereits Segelbrett, Drachensegelbrett, Paddelboot und Strandboot. Eine
Kategorie «muskelbetriebenes Wassersportgerät» (Pumpfoil, Bodyboard, Schwimmbrett mit
Foil) mit eigenen, auf den Übungsbetrieb zugeschnittenen Regeln gehört in die nächste
BSV-Revision. Wege: Stellungnahme des Kantons in der Vernehmlassung, Standesinitiative,
Vorstoss im Nationalrat durch Zürcher Parlamentarier, gemeinsame Eingabe der Verbände
beim Bundesamt für Verkehr.

5. Warum Übungsbetrieb kein Schifffahrtsrisiko ist

Merkmal Pumpfoil im Übungsbetrieb Bezug BSV
Antrieb Muskelkraft, kein Motor, kein Segel, kein Schleppseil Kein Motorschiff (Art. 2 Ziff. 2), kein Segelschiff (Ziff. 9)
Reichweite Anfänger 5 bis 30 m ab Steg, dann Sturz ins Wasser Innere Uferzone (Art. 53), keine Fahrlinie berührt
Geschwindigkeit 10 bis 20 km/h, Gleitphase wenige Sekunden Unter Tempolimit Uferzone (Art. 53 Abs. 1 Bst. b)
Anwesende Dritte Ausserhalb Badeöffnungszeiten: keine Schwimmenden Schutzzweck der Sperrzone entfällt
Betreuung Max. 6 Personen pro Lehrperson, Sichtkontakt Auflage nach Art. 72 Abs. 2 Bst. a
Emissionen Keine Lärm-, Abgas- oder Wellenbelastung Keine Beeinträchtigung nach Art. 72 Abs. 2

Die Verletzungsgefahr durch scharfe Foil-Kanten, die der Stadtrat anführt, ist real.
Sie besteht aber gegenüber Schwimmenden, nicht gegenüber der Schifffahrt. Genau deshalb
ist der Übungsbetrieb ausserhalb der Badeöffnungszeiten auf einem abgegrenzten Floss die
sicherste Variante: räumlich und zeitlich getrennt von Badenden, weit weg von
Fahrlinien. Ohne offizielle Plätze verlagert sich das Üben an ungesicherte Stellen.

6. Unsere Anliegen an Stadtrat und Kanton

  1. Übergangslösung 2027: Saisonbewilligung nach Art. 72 Abs. 3 BSV für
    den Kursbetrieb auf zwei bis drei Badi-Flössen ausserhalb der Badeöffnungszeiten, mit
    den bewährten Auflagen von 2021 bis 2025.
  2. Signalisation prüfen: Das AWEL prüft für diese Standorte eine zeitlich
    befristete oder nach Schiffsart differenzierte Sperrung (Art. 36 Abs. 2, Art. 37 Abs. 2
    BSV).
  3. Zeitplan für Infrastruktur: Das Sportamt legt bis Ende 2026 einen
    Zeitplan für Startrampe oder Übungssteg ausserhalb der Sperrzonen vor, inkl. Wollishofen
    und Marina Tiefenbrunnen.
  4. Einbezug: Pump Tsüri und Pump Foil Zürichsee werden neben ASVZ und
    Supkultur formell in die Arbeitsgruppe aufgenommen (Frage 5 nennt sie nicht).
  5. Bundesebene: Der Kanton bringt in der nächsten BSV-Revision eine
    Kategorie für muskelbetriebene Wassersportgeräte ein.

Kernaussage: Nicht das Bundesgesetz verhindert Pumpfoil-Kurse auf den
Flössen. Die Sperrzone ist eine kantonale Signalisation, und Art. 72 Abs. 3 BSV gibt
dem Kanton eine ausdrückliche Ausnahmekompetenz. Was fehlt, ist der politische Wille,
sie zu nutzen.

7. Dokumente

How I Teach Pumpfoiling

No ambitions, no expectations. — This is the guide to how I teach pumpfoiling, compiled from my interviews, videos and posts. Read it once — then go watch the videos and pump. You can also download it as a PDF (always the latest version, on GitHub).

The guide as PDF in your language: Deutsch · Français · Italiano · Español · 中文 · 日本語 · 한국어 · Ελληνικά

1. The Three Things I Always Say

“First: no expectations. Second: no ambition. And third — this one is for the adults — it’s like matrimonial therapy. You can’t tell your wife or your husband what to do. You can only work on yourself. So you can’t tell the board what the board should do.”
Up On Foil, Ep. 11 (podcast, 03.12.2024)

Pumpfoiling takes several hundred starts — 300 to 600 for most people. If no start counts as a failure, you cannot fail: every jump is simply the next repetition, and the repetitions are the sport. Everybody learns at their own speed, so the first thing I ask a new student is: what sports did you do as a kid? Skateboarding, gymnastics, dancing — any balance sport? Your background, height, weight and resilience shape your personal curve. Comparing yourself to anybody else is exactly the expectation we left at home.

2. Why This Sport

No engine — only your body. No wind, no waves, no boat needed: Switzerland has 1,500 lakes, and all you need is a board, a foil and a dock. Rain, snow, sunshine — there is no excuse. And it is a therapeutic sport, like a natural ADHD treatment:

“You have a problem in your marriage, with your kids, with some teachers — or you are just stressed out about your job. When you jump on the board, those three, four seconds, you need an autistic hyperfocus. It focuses you on the moment, on the instant you land on the board. You forget everything else. You completely reset your main brain.”
Pump Tsüri by Boardtales (video interview)

Once you touch the board, there is no more thinking — only muscle memory. The hyperfocus that is a burden in a classroom is a superpower on a foil: educate your autistic hyperfocus. Ambition lives in the future; the dockstart only accepts people who are fully in the present.

“In Zürich, when it rains, people are in a bad mood. It’s like they are made of sugar or something. You go and pump, your bad mood disappears instantly.”
TotalSUP interview, 27.04.2023

I have two predictions: pump foiling will turn into the new national sport of Switzerland, and soon we will have more pump foilers in Switzerland than surfers in Hawaii.

3. The Progression: Belly, Knee, Feet

This approach is meant for the broad mass of beginners — the exceptions come at the end. I start with all my beginners on the belly, no matter their age, size, weight or talent. Watch the videos (section 7) — they show this better than any text.

  1. Belly — about 20 to 100 tries. On your belly you are as close as possible to the foil’s centre of gravity, so you experience the pure glide feeling with zero risk.
  2. Knee — again 20 to 100 tries. Push off with your jump leg, place the other knee on the board first, then bring the second knee up — and pump the board on your knees.
  3. The glide feeling. The student has to get the glide into their senses. Age plays a decisive role: you teach a 62-year-old differently than a 5-year-old — kids stand up from the knees much earlier.
  4. Ready. When the student glides more than 2 to 5 metres on the belly and on the knees, they have the glide feeling at a low centre of gravity. They are ready for the next step.
  5. Feet. When the student is ready for the feet, go to the feet — but the student must want it. When a kid says by herself or himself “I want to go on my feet”, then she is mentally ready; then I hold the board. The hardest part of teaching is holding people back — they are like horses before the start. A detail that does half the work: teach on a board that is not too large. A smaller board disciplines the student — the feet have to go where they belong, otherwise you step off. If somebody insists on standing right away and then crashes and crashes, I say: go one step back, onto the belly, until you feel safe. The ones who understand stand up sooner.

Exceptions always exist. With Andri Ragettli and David Hablützel, 3 belly tries and 3 knee tries were enough — then straight to the feet. And with impatient young students (16 to 25) you can go to the feet earlier, if they have good balance and they want it.

4. Rules at the Dock

  1. Count starts, not sessions — plan for 300 to 600. Say it out loud on day one.
  2. Same spot, same board, same foil. A familiar setup removes variables; gear-hopping and spot-hopping reset your progress.
  3. Stabilizer in the most forward position on the fuselage. You want to get into the pump movement — steep down and up again — not just glide.
  4. Energy is not the answer. About 12 to 15 things have to be right at the same time — foot position, weight, body position. The ambitious ones cramp up, put too much energy in, and crash.
  5. Let your pulse come down between tries. From high pulse to high pulse there is no concentration.
  6. Silence during a start. Never talk to somebody who is starting — not even to cheer. Feedback waits until the person returns to the dock.
  7. Break the vicious cycle. Fail, get angry, curse, kick the board — and your temperament takes over and nothing works anymore. Stop, swim, breathe, reset.

And once you can pump: I do a regular pump (left foot front), then a goofy pump (right foot front). What comes next is up to the rider — practice your own favourite tricks.

5. Safety

Of the hundreds of people I have taught, I have had one or two cutting accidents — both adults with too much ambition and too much energy in the start (one of them had a couple of beers first). “No ambitions, no expectations” is also the safety rule. With kids it is absolute: a kid who gets hurt once will not come back. And the beginner setup must float nose-up after a crash, so the board is easy to grab and easy on your back.

6. The Gear

I taught for years on the INDIANA 1100 P — a simple, sturdy, decently priced complete setup — and later on the 1190 and the 1396 (see Patrick’s kneestart video below). Today I teach with the ONIX Pump Starter Pack: front wing 1850 cm² if you weigh up to 75 kg, 2250 cm² above that. Whatever you choose, choose once and stick with it. A starter set should not cost more than 1,500 francs, and you do not have to buy at all in the beginning: rent, or start together — two people, one board. If you both get addicted, you both buy your own. And the very first step costs nothing: speak to anybody who is out there trying it — walk up, ask where they rented the equipment and whether you could try once or twice. That is how this community works.

7. Watch, do not think before you start — Videos & Sources

Videos teach this sport better than text. Start here:

Remember: when you learn pumpfoiling — no ambitions, no expectations.

Schriftliche Anfrage Gemeinderat Zürich Pumpfoilen

2026/250 Schriftliche Anfrage, Nina Eggenschwiler (SP), Marco Denoth (SP), Florian Blättler (SP)

Die Antwort vom Stadtrat.

Pumpfoiling am Zürichsee, Beurteilung des Bedarfs an öffentlich zugänglichen Trainings- und Einstiegsmöglichkeiten, konkrete Schritte zur Schaffung zusätzlicher Optionen, Nutzung der Flosse städtischer Badeanstalten, Einbezug der aktiven Vereine und Berücksichtigung der Bedürfnisse im Rahmen der Realisierung der neuen Marina Tiefenbrunnen